PROKTODYNIE
 
Chronische Schmerzen im After bzw. Afterbereich

Der Begriff "Proktodynie" bezeichnet Schmerzen im After bzw. Afterbereich.

Ursachen einer Proktodynie

Häufiger kommt es nach Amputat ion des Enddarmes zu anhaltenden Schmerzen im ehemaligen Afterbereich, die meist auch in den Da mm ausstrahlen. 

Eine weitere Schmerzursache sind Operationen wegen wiederholter Ausbildung von Analfisteln
(= ein unnatürliches, röhrenförmiges Gebilde). Diese Beschwerden können ebenfalls in den Da m m ausstrahlen.

Auch die Kokzygodyn ie (= Stei ßbeinschmerz) kann zu einer Proktodynie führen. 

Zu erwähnen ist noch die Procta lgia fugax, gekennzeichnet durch eine anfallsartige (oft nächtliche) Proktodynie, häufig im Zusammenhang mit Hämorrhoiden.

Psychisch verursachte Proktodynie (Schmerzen im After bzw. Afterbereich)
 

Der
Anogen italbereich (= Geschlechts- und After bzw. Afterbereich) ist ein bevorzugter Körperbereich für symbolische Schmerzen im Rahmen einer Konversionsneurose. Den ersten Hinweis auf diese Schmerzentstehung liefert oft schon die Beschreibung des Schmerzcharakters. Fast regelmäßig wählen die betroffenen Patienten bizarre Ausdrücke wie z. B. "tierisch, wahnsinnig" oder "wie rohes Fleisch". Häufig fehlt ein Leidensdruck. Öfters werden die Beschwerden fast lächelnd oder auch teilnahmslos vorgetragen. Fast regelmäßig wird angegeben, dass Schmerzmittel nicht helfen würden. 
Diagnostik
(= Maßnahmen zur Erkennung einer Krankheit)Eine psychogen verursachte Proktodynie (Schmerzen im After bzw. Afterbereich) persistiert
(= verbleibt) auch während einer diagnostischen Spinal- oder Periduralanästhesie (= rückenmarknahe Betäubungen).

Da Schmerzen im Bereich des Dammes häufiger mit einer Proktodynie vergesellschaftet sind, werden möglich Ursachen hier auch aufgeführt:

Bei Frauen kann es nach einer natürlichen Geburt zu chronische n Schmerzen im Bereich des Dammes kommen. Ursächlich dürften dafür die enormen mechanischen Belastungen während der Austreibung sein, die zu Gewebszerreißungen führen können. Möglicherweise sind die Schmerzen auch auf den häufig durchgeführten Dammschnitt zur Druckentlastung zurückzuführen. 

Beim Mann können Schmerzen im Bereich des Dammes bei einer chronische n En tzündung der Prostata
(=Vorsteherdrüse) oder auch nach einer Prostata-Operation auftreten. Häufig geben die betroffenen Patienten dabei einen ziehenden Dauerschmerz in der „Tiefe" des Dammes an.

Behandlung der chronische n Proktodynie (Schmerzen im After bzw. Afterbereich):

Nicht selten verbleiben trotz einer kausalen (= auf die Ursache gerichteten) fachärztlichen Behandlung weiterhin Schmerzen im After bzw. Afterbereich, so daß dann schmerztherapeutische Behandlungsmethoden gefragt sind. Oft sind diese bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich nach den Schmerzen und deren Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach der Ursache richten. Länger bestehende Schmerzen im After bzw. Afterbereich erfordern praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren, die i.d.R. nur in spezialisierte Zentren (Schmerzklinik) angeboten werden können. Bei der Proktodynie sind dies: 

  1. Information über die Proktodynie

  2. Medikamentöse Behandlung (u.a. Analgetika, evtl. auch Spasmolytika (= Mittel  gegen Krampfzustände), schmerzlindernde Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet)

  3. Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form von Infiltrationen und Nervenblockaden, evtl. rückenmarknahe Blockaden, auch kontinuierlich mit Katheter  

  4. Akupunktur

  5. Evtl. TENS-Therapie (schmerzlindernde elektrische Ströme, die von einem kleinen tragbaren Gerät abgegeben werden)

  6. Psychologische Therapieverfahren (bes. Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining)

  7. Evtl. Physiotherapie (Krankengymnastik für den Beckenboden und Anwendungen, z.B. Sitzbäder) 

Eine Behandlung mit Analgetika (= Schmerzmittel) bleibt bei Schmerzen im After bzw. Afterbereich oft ohne einen deutlichen schmerzlindernden Effekt, allenfalls Opioide in höherer Dosierung mit entsprechenden Nebenwirkungen führen zu einer Linderung.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei Proktodynie (Schmerzen im After bzw. Afterbereich):

Unterer Anteil der Scham lippen, hinterer Anteil des Hodensacks, Vestibulum vaginae (= Scheidenvorhof), Pen is, Da mm- und After bzw. Afterbereich werden sensibel aus dem Plexus sacralis (= Nervengeflecht aus dem unteren Rückenmark stammend) versorgt, so dass sich zur Therapie von Schmerzen in den angesprochenen Bereichen wiederholte epidurale (= rückenmarknahe) Betäubungen in Form des Kaudalblockes (= rückenmarknahe Betäubung in Höhe des Kreuzbeines) eignen.
Der Kaudalblock hat gegenüber dem lumbalen Epiduralblock
(= rückenmarknahe Betäubung in Höhe der Le nden) den Vorteil, dass eine geringere Dosierung benötigt wird, in der Regel reichen 5-8 ml z. B. Bupivacain (= ein langwirkendes örtliches Betäubungsmittel) 0,125-0,15 % aus. 
Zur kontinuierlichen Blockade mit Katheter* ist allerdings die lumbale epidurale Blockade
(= rückenmarknahe Betäubung in Höhe der Le nden) wegen des geringeren Risikos einer En tzündung bzw. Infektion (= Eindringen von Mikroorganismen wie z.B. Bakterien) vorzuziehen, jedoch mit einer Ausnahme: Schmerzen im Da mm und Afterbereich nach Amputat ion des Enddarmes. In diesem Falle ist die Entzündungsquelle nicht mehr vorhanden, so dass ein Sakralkatheter* auch über einen längeren Zeitraum belassen werden kann. 

Schmerzen im Bereich des Dammes als einziges Symptom, z. B. nach einer Geburt, können häufig mit einer wiederholten infiltrativen Lokalanästhesie (= örtlichen Betäubung) erfolgreich behandelt werden. 
Die isolierte Betäubung des N. pudendus
(= Nerv der den Geschlechts- / After- bzw. Afterbereich versorgt) erfordert eine relativ hohe Lokalanästhetikum-Dosierung (2 x ca. 10 ml z.B. Bupivacain 0,25-0,5 %), so dass die Plexus sacralis-Blockade (Kaudalblock) vorzuziehen ist.

Erläuterungen:

*  Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muss also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung der Lokalanästhetika durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, dass bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, hilfreich ist. Eine gute Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder geschädigten Nervs. Nach neueren Erkenntnissen kann eine solche Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis löschen.  

 
   

A Ablatio mammae, Algodystrophie, Allodynie, Amputation, apoplektischer Insult, Apoplex, Armamputation, periphere arterielle Durchblutungsstörung, arterielle Verschlußkrankheit, Arthralgie, Arthrose (1), Arthrose (2), Arthrose im Schultergelenk, atypische Gesichtsschmerzen,
B
Bandscheibenprotrusion, Bandscheibenvorfall, Bandscheibenvorwölbungen, Bechterew Krankheit, Bechterew Syndrom, Beinamputation, Bein-offenes, Beschleunigungstrauma, Bewegungsschmerz, Bing-Horton-Kopfschmerzen, Bing-Horton-Syndrom, Blasenentzündungen, Brachialgia paraesthetica, Brachialgien, Brennschmerz, Brustamputation, Brustoperation, chronische Brustwirbelsäulenschmerzen, Bursitis, Bursitis infrapatellaris, Bursitis praepattelaris, BWS-Syndrom
C
Carpaltunnelsyndrom, cerebraler Insult, Chondropathie, Cluster-Kopfschmerzen, Coccygodynie, Colitis, Colitis-ulcerosa, Colitis ulzerosa, Colon-irritabile, Costen Syndrom, Clusterkopfschmerz, Coxarthrose, Craniomandibuläre Dysfunktion, CRPS,
D
DeafferenzierungsschmerzenDorsalgie, Dysästhesien, Dyspepsie, Dystrophie, Dystrophie-Syndrom
E
Encephalomyelitis, Engpaßsyndrome, Enteritis, Enteritis regionalis Crohn, Enteritis regionalis, Entzündung der Kieferhöhle, Entzündung von Schleimbeitel, chronische Entzündung der Stirnhöhle, Entzugskopfschmerz, EnzephalomyelitisEncephalomyelitis, Epikondylitis, Epicondylopathia, Epicondylitis, Erythromelalgie,
F
Facettensyndrom, Fasciitis, Fersensporn, Fibromyalgie (1), Fibromyalgie (2), Fibromyalgie (3), Fibromyalgie-Erkrankung, Fibromyalgie-Syndrom, Fibrositis-Syndrom, Frozen Shoulder,
G
Gastralgie, Gehirnblutung, Gehirnschlag, Gelenkschmerz, Gelenkentzündungen, Gesichtsrose, Gleitwirbel, Glossopharyngeusneuralgie, Golferellenbogen, Gonarthrose, Gürtelrose
H hämorrhagischer Insult, Haglundferse, Halbseitenlähmung, Handgelenksarthrose, Hemialgesie, Hemikranie, Hemiparese, Hemiplegia, Hemiplegie, Herpes zoster, Hirnblutung, Hirnschlag, HistaminkopfschmerzHörsturz, Hüftarthrose, Hüftgelenkarthrose, Hüftgelenksentzündung, HWS-Syndrom, Hyperästhesie, Hyperalgesie,
I
Idiopathischer Kopfschmerz, ImpingementsyndromInsertionstendopathie, InsultIntermediusneuralgie, IschialgieIschias, Ischiolumbalgie
K
Kalkaneodynie, Karpaltunnelsyndrom, Kniearthrose, Kniegelenkarthrose, Kniegelenksschmerzen, Koccygodynie, Kokzygodynie, Kolitis, Kolitis ulcerosa, Kolon irritabile, Kombinationskopfschmerz, KompressionssyndromKnochenentzündungen, Kopfschmerzen vom Spannungstyp, Krämpfe in den Waden, Krämpfe in der Wade, Kraniomandibuläre Dysfunktion, Koxarthrose, Krebserkrankung,
L Lumbalgie, Lumboischialgie, LWS-Syndrom, Lyme-Krankheit, Lyme-Borreliose, Lymphödem, Lymphödeme 
M
Magenschleimhautentzündung, Mastodynie, Metatarsalgie, Migräne (1),  Migräne (2), MononeuropathieMorbus Bechterew, M. Crohn (1), Morbus Crohn (2), Morbus-Krohn, Morbus Scheuermann, Morbus Sudeck, Morton Neuralgie, Multiple Sklerose, Myalgie,  myofaziales Schmerzsyndrom
N
Nacken-Zungen-Syndrom, Nasoziliarneuralgie, Nebenhöhlenentzündungen, Neck-tongue-Syndrom, Nervenentzündung, Nervenkompressionssyndrom, Nervenwurzelkompressionssyndrom, Neuralgie, Neuralgische SchulteramyotrophieNeuritis, Neuroborreliose, Neuropathien,
O Offene Beine, offenes Bein, Okzipitalsyndrom, Omalgie, Osteochondrose, Osteochondrosen, Osteochondrosis, Osteoporose,
P Paraparese, Paraplegia, Paraplegieparoxysmale HemikraniePelvipathie, Periarthritis, Periarthropathia humeroscapularis, Periarthropathie, periphere arterielle Durchblutungsstörungen, periphere arterielle VerschlußkrankheitenPhantomschmerzen, Polymyalgia, Polyneuropathien, Postherpetische Neuralgie, Postdiskektomie-Syndrom, Postdiskotomie-Syndrom, Postnukleotomie-Syndrom, Postthrombotisches Syndrom, Posttraumatische Kopfschmerzen, Postzosterneuralgie, Postzosterische Neuralgie, Processus styloideus-Syndrom, Proktodynie, Pronator teres-Syndrom, pseudoradikuläre Syndrome, Pudendusneuralgie 
Q
Querschnittlähmung, Querschnittläsion, Querschnittsläsion, Querschnittssyndrom
R
Radikuläre Syndrome, Raynaud,
Reflexdystrophie, Reizdarm, Reizdarm-Syndrom, Reizdarmsyndrom, Reizkolon, Restless legs, Restless-legs-Syndrom, rheumatische Schmerzen,
S
Sakralgie, Sakroiliitis, Sakroiliakalgelenk,
Schaufensterkrankheit, Schiefhals, Schlaganfall, Schleimbeutelentzündung, Schleudertrauma (1), Schleudertrauma (2), Schmerztherapie bei Karzinom, Schmerzen bei Entzündung, Schmerzen bei Gürtelrose / Schmerzen nach Gürtelrose, Schmerzen bei Tumor, chronische Schmerzmittelkopfschmerz, Schmerztherapie bei Krebs, Schmerztherapie bei Malignom, Schmerztherapie bei Polyneuropathie, Schulter-Arm-Syndrom, Schultergelenkarthrose, Schultergelenksenzündung, Schultergürtelkompressionssyndrom, Sehnenentzündung, Sehnenscheidenentzündung, Sinusitis frontalis, Sinusitis maxillaris, Skalenussyndrom, Skoliose, somatoforme Schmerzstörungen, Spannungskopfschmerz, Spondylarthropathie, Spondylarthrosen, Spondylitis ankylopoetica, Spondylolisthesis, Spondylose, Sprunggelenksarthrose, Sudeck, Sudeck Syndrom, Sympathalgiesympathische Reflexdystrophie, Symphysen-Syndrom, Syndrom des Ischias, Syndrom des Skalenus, Syringomyelie
T Tendinose, Tendopathie, Tendomyopathie, Tendovaginitis, Tenosynovitis, Tennisarm, Thorakalsyndrom, Thrombangiitis, Tietze-Syndrom, Trigeminus-Neuralgie, Trigeminusneuralgie,
Tumorschmerz (1), Tumorschmerz (2), Tumorschmerztherapie
U Überlastungssyndrome, Ulcera cruris, Ulcus cruris, Ulkus cruris

V
vaskuläre Kopfschmerzen, vasomotorischer-Kopfschmerz, Verschlußkrankheit, Vertebralsyndrom, Verwachsungsbauch, venöse Durchblutungsstörung, Viszerale Schmerzen, viscerale Schmerzen,
W
Wadenkrämpfe, Wadenkrampf,
Weichteilrheumatismus, Weichteilschmerzen, Wirbelsäulensyndrom, Wurzelkompressionssyndrome, Wurzelreizsyndrom, Wurzelsyndrom
Z
Zephalgie, zerebraler Insult, Zervikalgie, Zervikobrachialgie, Zoster-Neuralgie, Zosterschmerz,